Ringdrossel
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Die Elfen vom
Tietzowsee

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Die Elfen vom Tietzwosee mögen keinen Tee.

Nach einer kurzen Wäsche warten wir nur noch so lange, bis wir uns an der Rezeption anmelden können, dann starten wir nach Rheinsberg. Der malzige Bäckereiduft kommt uns auf der Straße entgegen, mischt sich mit den kühlen Gerüchen von morgenfeuchtem Pflaster und Gras. Wir ordern ein großzügiges Brötchen-Wurstplatten-Käse-Frühstück. Schließlich wollen wir nachher nicht hungrig einkaufen und vormittags noch unser Faltboot aufbauen.
Eineinhalb Stunden später haben wir das Bündel von Holzstäben und Stoff aus unserem Kofferraum auf der Wiese ausgebreitet und es sogar geschafft, daraus unser Faltboot zu bauen:
wir haben geschraubt, an den richtigen Stellen gedrückt und gespannt, an anderen Stellen mit Flügelschrauben fixiert. Trotzdem ist es immer wieder ein Wunder, dass diese Konstruktion schwimmt und uns über das Wasser trägt. Unser Boot ist über 30 Jahre alt und hat sogar schon Finnland gesehen.
Deshalb betrachtet es diesen See als eher kleine Herausforderung und trägt uns schaukelnd auf das Wasser hinaus. Gemächlich paddeln wir von der Einstiegsstelle am Campingplatz quer über den See in einen der Kanäle.

Bootsspitze

Der Himmel ist bedeckt, aber die Luft warm. Das Wasser eine glatte Fläche – es spiegelt den weißgrauen Himmel. Rechts und Links säumen hohe Weiden und Buchen die Wasserstraße. Gelbe Teichrosen blühen. Unsere Ruder tauchen platschend ein, dann wieder lassen wir uns einfach treiben. Unter einer Brücke hindurch fahren wir auf die weite Fläche des nächsten Sees. Wir beobachten, ganz aus der Nähe, wie ein Haubentaucher seine Jungen füttert, diese drehen sich fiepend auf dem Wasser, wo Wasserblasen das Elterntier vermuten lassen und spurten auf den Altvogel zu, wenn er mit einem kleinen Fisch im Schnabel auftaucht.
Weil wir unsere Tour am Vormittag genossen haben, setzen wir am Abend unser Boot nochmals ein und paddeln in den Abendsonnenschein. Wir tauchen ein in grünschattige Kanäle, zweibootbreit gerade mal. Eine eigene Welt aus Schilf, Bäumen, die sich aufs Wasser neigen, Seerosen. Hier stört kein Motorboot unsere Ruhe. Das Wasser ist dunkelflaschengrün und ruhig. Nur ein aggressiver Rottweiler würde am liebsten ins Wasser springen, um uns von der Annäherung an eines der Privatgrundstücke abzuhalten.

Was wir natürlich vorhatten. Als Flußpiraten.
Zum Abschluss der Abendtour queren wir den See bei Zechliner Hütte. Bootshäuser ruhen im rötlichen Licht der Abendsonne aus. Heute könnte man von der Autostraßenbrücke aus uns auf dem See paddeln sehen. Wir gleiten unter der Brücke hindurch in den nächsten Kanal und vor uns weitet sich ein fast runder See mit Fischerhütten und Fischreusen. weiterlesen =>